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Werden in deiner Familie auch mehrere Sprachen gesprochen? Eine tolle Chance für dein Kind! Soweit die Theorie - in der Praxis ist es oft komplizierter, und du zweifelst manchmal daran, dass du alles richtig machst.
Haben du und dein Partner unterschiedliche Muttersprachen? Dann ist es am besten, wenn quasi jedem von euch eine Sprache zugeordnet wird. Das heißt also, wenn deine Muttersprache Deutsch ist und die deines Partners Spanisch, sprichst du mit eurem Kind Deutsch und dein Partner Spanisch.
Das funktioniert auch mit mehreren Sprachen. Bist du beispielsweise Italienerin und dein Partner Perser, sprecht ihr zu Hause jeweils eure Muttersprache. Euer Kind lernt dazu in seinem Alltag mit Freunden und Nachbarn Deutsch. Ideal ist es, wenn ihr auch jeweils die Sprache des anderen versteht, damit sich niemand im Familienalltag ausgeschlossen fühlt.
Möchtest du, dass dein Kind deine Muttersprache wirklich fließend beherrscht, ist Konsequenz gefragt: Dann solltest du wirklich ausschließlich in dieser Sprache mit deinem Kind kommunizieren und nicht hin- und herwechseln.
Wenn Deutsch die Fremdsprache ist
Etwas anders liegt der Fall, wenn beide Eltern dieselbe Fremdsprache sprechen. Ihr seid beispielsweise aus Frankreich nach Deutschland umgezogen und sprecht zu Hause nur Französisch. Dann ist eure Familienkultur davon geprägt - bei euch gibt es französische Bücher, Filme in Originalversion und regelmäßige Telefonate mit der Oma aus Lion.
Doch wenn die Kinder größer werden, wird ihr Umfeld zunehmend wichtiger. Sie sprechen Deutsch mit ihren Freunden, Erziehern und Nachbarn, und die deutsche Kultur nimmt immer größeren Raum in ihrem Alltag ein.
Dann kann es mühselig werden, das Prinzip der Zweisprachigkeit in der Familie aufrechtzuerhalten. In solchen Fällen hilft es, sich die Vorteile der Bilingualität immer wieder vor Augen zu führen.
Zweisprachigkeit tut der ganzen Familie gut
Es lohnt sich durchzuhalten. Untersuchungen zeigen die Vorteile bilingualer Erziehung:
Tipps für den bilingualen Alltag
Bleib konsequent bei deiner Muttersprache und gib deinem Kind viele Möglichkeiten, sie zu hören und zu sprechen. Hier sind einige praktische Tipps, die dich dabei unterstützen:
Zweisprachigkeit: Häufig gestellte Fragen
Verwirrt es Kinder nicht, wenn sie mehrere Sprachen gleichzeitig lernen?
Jein. Das Lernen selbst gelingt problemlos. Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig lernen und sie von Anfang an gut unterscheiden. Sie gewöhnen sich schnell daran, mit der Oma Spanisch und mit der Erzieherin Deutsch zu sprechen.
Es kann allerdings mit drei Jahren vorkommen, dass Kinder stottern. Bleibt trotzdem konsequent. Es zeigt dass die Kinder versuchen die Sprachen zu ordnen und die Richtige zu wählen. Bei meinem Mann war dies der Fall und der Ärzte meinten damals: dran bleiben, das ist ganz normal. Bitte beachtet, dass Jungs generell sprachlich meist etwas länger brachen als Mädchen. Außerdem, wer kennt es nicht als Erwachsener, werden die Sprachen zu Anfang häufig gemischt und das Kind bedient sich der jeweils anderen Sprache, um das fehlende Wort aufzufüllen. Hier ist Konsequenz gefragt. Wenn ihr das mitbekommt, bewusst noch einmal richtig wiederholen. Wenn ihr selbst so lange schon in Deutschland seid und das Wort selbst nicht mehr wisst, schaut es doch einfach nach, anstatt den Fehler eurem Nachwuchs weiterzugeben.
Haben zwei oder mehr Sprachen zu Hause Einfluss darauf, wie gut sie Deutsch lernen?
Eine solide Grundlage in deiner Muttersprache kann deinem Kind tatsächlich helfen, schneller Deutsch zu lernen. Ist es mit Büchern und Spielen in deiner Sprache schon vertraut, wird es in Kita und Schule besser zurechtkommen als Kinder, die keine große Verbindung zu Sprache an sich aufgebaut haben.
Wird es Probleme beim Lesen und Schreiben geben?
Bilinguale Kinder, die zwei verschiedene Schriftsprachen kennen - oder sogar zwei verschiedene Schriftsysteme wie etwa Chinesisch und Deutsch - haben meistens wenig Probleme beim Lesen und Schreiben. Sie haben nämlich oft ein tieferes Verständnis für Sprache an sich als ihre Freunde, die nur Deutsch sprechen.
Fazit: Zweisprachigkeit ist anstrengend... aber sie lohnt sich!
Kinder zweisprachig zu erziehen ist nicht leicht. Es bedeutet eine Menge Arbeit und langfristiges Engagement. Du musst dich darum kümmern, dass dein Kind oft Gelegenheit hat, die zweite Sprache zu hören und anzuwenden. Denke daran, es immer wieder zu ermutigen, keinen Druck aufzubauen und das Ganze locker zu sehen.
Dein Kind will plötzlich nur noch Deutsch sprechen, um “dazuzugehören”? Dann hilf ihm, dem Gruppendruck zu widerstehen. Bitte Erzieher und Lehrer, dich zu unterstützen und motiviere dich auch selbst, konsequent bei deiner Sprache zu bleiben.
Sei nicht irritiert, wenn dein Kind nur auf „deutsch“ antwortet und lass dich nicht dazu verleiten ebenfalls auf die deutsche Sprache zu wechseln. An manchen Tagen hat dein Kind ganz einfach keine Lust auf deine Muttersprache. Das ist okay. Es reicht dann, wenn es dich einfach nur sprechen hört.
Wenn dir mal die Motivation fehlt denke daran: dein Kind wird spätestens im nächsten Urlaub in deinem oder Papas Heimatland oder im Jugendalter, wenn es selbst reist und Zweitsprachen anwenden muss, dankbar für deine Konsequenz sein. Was ich mir hart erarbeiten musste, kannst du deinem Kind von Anfang an spielerisch mitgeben und ganz ehrlich: für mich als deutsche Mutter mit einem spanischen Mann gab es nichts goldigeres und gleichzeitig beeindruckendes, als mein Kind auf Spanisch die ersten Worte, dann Sätze gesprochen und schließlich auch noch wie selbstverständlich die richtigen Zeiten ausgewählt hat.
Denkt daran: wenn euer Partner in Deutschland groß geworden ist oder schon lange hier lebt, wird es auch für ihn eine Umstellung sein, seine Muttersprache tagtäglich Zuhause zu sprechen. Erinnert ihn also freundlich daran, wenn er aus Gewohnheit doch Deutsch mit eurem Kind spricht und weist ihn darauf hin, wenn er unbewusst deutsche Wörter in die Sätze einbaut. Wenn ihr innerhalb der Familie ein starkes Team bildet, ist das schon einmal eine super Voraussetzung für eine gelungene zweisprachige Erziehung!
Wie immer freue ich mich über Euer Feedback. Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Thema Zwei- oder sogar Mehrsprachigkeit in der Familie?
Eure Nordic Mom